So wird die Ayurveda Ernährung umgesetzt
Um nun die angemessene Ernährung nach Ayurveda bestimmen zu können, ist die Ermittlung des entsprechenden Typs ausschlaggebend. Durch einen sogenannten Konstitutionstest, bei dem verschiedene Merkmale und Eigenschaften systematisch abgefragt werden, kann dieser sehr schnell ermittelt werden. Nun kann die für den Typ passende Nahrung zusammengestellt werden, die dann die Aufgabe hat, alle Ungleichheiten zwischen den drei Doshas auszugleichen.
Als Basis für eine ideale Nahrungszusammensetzung dient im Ayurveda der Geschmackssinn. Grundsätzlich müsste der natürliche Instinkt von Haus aus für die richtige Auswahl der Nahrungsmittel sorgen, so die Lehre der Ayurveda Ernährung. Da die Zivilisationskost aber unsere Gaumen und unser Gefühl für die richtige Ernährung verdorben hätte, sei eine Übergangsdiät erforderlich, um zu seinem gesunden Gleichgewicht und Bauchgefühl - im wahrsten Sinne - zurück zu finden.
Gesunde Ernährung bedeutet u.a. bei Ayurveda, dass die Speisen wiefolgt zubereitet wurden:
- Auf die richtige Weise (vor allem frisch, beste Qualität, warm)
- In der richtigen Kombination
- In der richtigen Menge
- Am rechten Ort, zur rechten Zeit
- Mit der richtigen Haltung des Koches/der Köchin
Zudem sei die richtige Stimmung bei der Nahrungsaufnahme genauso wichtig. Ebenso sollte die Nahrung dem Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand des Essenden sowie der Jahreszeit und dem Klima angepasst sein. Wichtig sei überdies die Anpassung der Speisen an die körperliche und geistliche Arbeit des Speisenden.
Die sechs Geschmacksrichtungen:
Alle Nahrungsmittel werden bei der Ayurveda-Lehre in sechs Geschmacksrichtungen (Rasas) eingeteilt: herb, bitter, scharf, salzig, sauer und süß. Je nach Konstitutionstyp (Dosha) reagiert man ausgeglichen oder unruhig auf die jeweiligen Geschmacksstoffe. Im Idealfall enthält jede Mahlzeit alle sechs Geschmacksrichtungen. Die Lehre will es außerdem, dass sogar einmal täglich jede Geschmacksrichtung in ansprechender Stärke in der Nahrung vorkommt. Andernfalls fände keine richtige Sättigung statt und es entkeimen Gelüste nach Nahrungsmitteln, die dem Körper nicht gut täten. Neben den Geschmacksrichtungen kommen auch noch 20 ayurvedische Qualitäten der Nahrungsmittel zu tragen, von denen die wichtigsten sechs folgende sind: Kalt oder warm, ölig oder trocken, schwer oder leicht.
Weitere Regeln zur ayurvedischen Ernährung sind:
- Honig nicht erhitzen
- Keine eiskalten Speisen oder Getränke
- Milchprodukte aus Pilzkulturen nicht nach Sonnenuntergang verzehren
- Regelmäßige Essenzeiten einhalten
- Konzentration auf das Essen
- Vollständige Verdautheit der vorigen Mahlzeit und Füllung des Magens nur zu drei Vierteln
Ganz unabhängig vom ermittelten Konstitutionstyp gilt bei Ayurveda vor allem eine Regel: Die Nahrung sollte möglichst ausgewogen und vollwertig sein, da immer das Prinzip „Essen in Harmonie mit dem Kosmos" Vorrang hat. Daher wird stets darauf geachtet, dass wirklich alle „Bausteine des Lebens" bei der täglichen Nahrungsaufnahme vorhanden sind.
Verdauungsfeuer und Leichtigkeit nach dem Essen:
Weiterhin spielt bei der ayurvedischen Ernährung das sogenannte Verdauungsfeuer, genannt Agni, eine wesentliche Rolle. Von diesem Verdauungsfeuer hängen unter anderem die Lebensdauer des Menschen, dessen Ausstrahlung und Energie sowie sein gesundheitliches Befinden ab. Je hochwertiger die aufgenommene Nahrung ist und je besser sie auf den eigenen Konstitutionstyp zugeschnitten ist, desto besser „brennt" das Verdauungsfeuer. Brennt dieses gut, lebt der Mensch folglich sehr gesund und kann ein hohes Alter erreichen. Ob die ausgesuchte Nahrung tatsächlich richtig ist, erkennt man etwa zwei Stunden nach dem Essen. Nach dieser Zeit sollte ein Gefühl von Leichtigkeit aufkommen. Generell sollte sich regelmäßiger Stuhlgang und Wasserlassen einstellen. Das Durstgefühl sollte normal bleiben und das Gemüt ausgeglichen, fröhlich und heiter sein.
Ein Speiseplan nach Ayurveda empfiehlt in erster Linie vegetarische Kost. Allerdings ist dies nicht zwingend notwendig. Greift man zu tierischen Lebensmitteln, sollten vor allem Fisch und Geflügel bevorzugt werden, da diese deutlich besser verdaut werden können als andere Fleischsorten. Um die Qualität der Nahrungsmittel besonders gut nutzen zu können, wird in jedem Fall die Verwendung von möglichst frischen Lebensmitteln, wenn möglich aus heimischen Regionen, empfohlen. Die geistige Sammlung vor dem Essen, das immer zu gleichen Zeiten stattfinden sollte, hilft bei einer gesunden Verdauung.
Kritik und Risiken der Ayurveda Ernährungslehre
Die ayurvedischen Therapien und vor allem die entsprechende Ernährungslehre unterliegen gewissen Kritiken. Vor allem aus den westlichen Ländern wurde der Traditionsheilkunde vorgeworfen, sich den modernen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu verschließen. Die moderne Medizin sieht vor allem dann Gefahren, wenn man sich allein auf ayurvedische Anwendungen verlässt. Ernsthafte körperliche Erkrankungen lassen sich nicht unbedingt auf diese Weise heilen, sondern bedürfen den Erfahrungen der modernen Schulmedizin.
Die große Betonung auf die Gesundheitsvorsorge, die Ayurveda vertritt, wird hingegen von der westlichen Welt akzeptiert und begrüßt. Die These von Ayurveda, dass Ungleichgewichte und folglich gesundheitliche Beeinträchtigungen durch falsche Ernährung und Lebensweisen entstehen können, ist auch von der westlichen Welt anerkannt.
Fazit
Ayurveda bietet eine Ernährungslehre, die sich für jeden auch ohne die Einflüsse der indischen Küche umsetzen lässt. Ein besonderer Vorteil von Ayurveda ist der individuelle Zuschnitt der passenden Nahrung auf jeden einzelnen Menschen. Anders als viele Ernährungslehren, die für eine breite Masse von Menschen stets die gleiche Nahrung empfiehlt, geht Ayurveda gezielt auf die körperlichen Eigenschaften eines jeden Menschen ein. Nach Ermittlung des eigenen Konstitutionstyps entscheidet sich, welche Nahrung wirklich die Richtige ist. Es kann in keinem Fall Schaden bringen, wenn man seinen eigenen Konstitutionstyp feststellen lässt und eine Weile nach dem verordneten Nahrungsschema lebt.